Der Euro wurde am 1. Januar 1999 als ein gemeinsames Zahlungsmittel für Länder der Europäischen Union eingeführt. Neben vielen europäischen Währungen ersetzte der Euro auch die bis dato gültige Europäische Währungseinheit ECU, welche von 1978 bis 1998 als Richtwert für den europäischen Warenkorb festgelegt war.

In 19 von 28 EU-Ländern ersetzte der Euro bis heute die nationale Währung. Hinzu zählen auch französische Überseegebiete, die sogenannten Départements d’outre-mer (DOM) wie Guadeloupe, Französisch-Guayana, Mayotte, Martinique und Réunion, portugiesische Inseln Madeira und Azoren und spanische Gebiete in Nordafrika Ceuta und Mellila, da sie auch Teil der Europäischen Union sind. All diese 19 Länder werden als wirtschaftspolitisch als Euroraum bezeichnet.

Darüber hinaus wird der Euro als offizielles Zahlungsmittel in einigen Nicht-EU-Ländern anerkannt. Das sind weitere kleine französische Inseln Saint-Pierre-et-Miquelon und Saint-Barthélemy, sowie einige europäische Länder wie Montenegro, Kosovo, Andorra, Vatikanstaat, Monaco und San Marino. Im Gegensatz zu den Ländern des Euroraums dürfen diese Staaten jedoch nicht die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank mitbestimmen.

Zwei Länder der Europäischen Union haben ein exklusives Recht auf Nichtteilnahme am Euro. Das sind Großbritannien und Dänemark. Diese beiden Länder vereinbarten eine besondere Klausel zur Freistellung von der gemeinsamen europäischen Währung. Wobei sich die Beziehungen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union als Folge des Brexits in den kommenden Monaten und Jahren verändern wird.

Wichtige Ausnahme gibt es auch für die Überseegebiete Frankreichs, welche nicht zum französischen Staatsgebiet zählen und somit auch nicht Teil der Europäischen Union sind. Diese sogenannten Territoires d’Outre-mer haben eigene Zahlungsmittel den CFP-Franc.

Mehr als 330 Millionen Europäer zahlen täglich mit Euro, welcher nach US-Dollar die wichtigste Reservewährung der Welt ist. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank (Stand 2014) befindet sich mehr als eine Billion Euro im Umlauf. Der BIP der Eurozone liegt bei 11 Billionen EUR mit dem Gesamtanteil von 13% im Waren- und Dienstleistungshandel.

Die grafische Herkunft des Symbols für Euro – „€“ erinnert uns an den fünften Buchstaben im griechischen Alphabet, das Epsilon ε und soll damit den antiken Ursprung Europas verdeutlichen. Zwei parallele vertikale Linien sollen die Stabilität und Zuverlässigkeit der europäischen Währung repräsentieren.

Die Europäische Zentralbank und der Beitritt in den Euroraum

  • Die Europäische Zentralbank (EZB) ist ein Organ der Europäischen Union mit dem Sitz in Frankfurt-am-Main, das für folgende Aufgaben zuständig ist:
  • Koordination und Unterstützung der allgemeinen Wirtschaftspolitik und Geldpolitik in der Europäischen Union
  • Gewährleistung der Preisstabilität
  • Verwaltung von Währungsreserven der Mitgliedstaaten des Euroraums
  • Koordination und Überwachung der Banknotenproduktion
  • Sicherstellung des Zahlungssystems

Die Europäische Zentralbank wurde am 1. Juni 1998 errichtet und ist unabhängig von allen anderen staatlichen Organen und Strukturen.

Der Beitritt in den Euroraum ist grundsätzlich für alle Mitglieder der Europäischen Union möglich. Eine wichtige Voraussetzung ist die Erfüllung sogenannter Konvergenzkriterien darunter der Preisstabilität, angemessenen Staatsverschuldung Zinssätze, langjährige Stabilität der Währung gegenüber dem Euro und adäquate Zinssätze. Anhand dieser makroökonomischen Kennziffern trifft die EZB die Entscheidung hinsichtlich des Beitritts eines Landes in die Eurozone. Die Voraussetzungen für den Beitritt sind relativ hoch, vor allem die mehrjährige strikte Regulierung des Wechselkurses der nationalen Währung stellt für viele Länder wie Bulgarien, Rumänien oder Tschechien eine Hürde dar.

Der Euro ist nach dem US-Dollar die die zweitwichtigste Reservewährung der Welt und dient als Kopplungsfaktor für viele nationale Währungen. Doch sein Anteil an den gesamten weltweiten Währungsreserven sinkt seit Jahren kontinuierlich. Während 2013 der Anteil von Euro an den Reserven der internationalen Notenbanken noch 24,4% betrug, sank dieser 2015 auf 19,9 %.

Warum wurde der Euro eingeführt?

Grundsätzlich sollte die Einführung einer gemeinsamen Währung den Ländern der Eurozone und anderen Volkswirtschaften einige wichtige Vorteile bringen. Durch Eliminierung von Währungs- und Transaktionsrisiken innerhalb der Eurozone sollte die finanzielle Integration der Europäischen Union erreicht werden. Die EZB setzt dabei vor allem auf Preisstabilität (die Inflationsrate in der Eurozone blieb weitestgehend konstant bei 2 bis 4% jährlich, 2015 sogar unter 1%) und niedrige Zinssätze, wovon vor allem europäische Unternehmen und Privatverbrauches profitieren sollten. Durch diverse Möglichkeiten der direkten Eingriffe zur Lenkung der Kapitalmärkte und Eliminierung von unterschiedlichen technischen, administrativen und rechtlichen Schranken innerhalb der Eurozone sollte die Segmentierung und Zersplitterung von nationalen Märkten neutralisiert werden.

Insgesamt setzte man sich ein ambitioniertes Ziel der finanziellen Integration der gesamten Europäischen Union, indem der europäische Finanz- und Wirtschaftsmarkt durch die Einführung einer gemeinsamen Währung größer und einheitlicher gemacht wird, um günstige Bedingungen für Investitionen und Wirtschaftswachstum zu schaffen.

Geschichtlicher Überblick

Der wichtigste Schritt auf dem Weg zur Währungsintegration in Europa nahm die Euro Zone bereits am 25. März 1957 bei der Unterzeichnung der Römischen Verträge. Dabei gründeten die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, Niederlanden und Luxemburg die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und legten ein Fundament für die weitere wirtschaftliche Entwicklung auf dem Kontinent. Die wichtigsten Grundsätze der Römischen Verträge waren die einheitliche Koordination der Wirtschaftspolitik (insbesondere im Rahmen der gemeinsamem Agrar- und Verkehrspolitik), Schaffung der Bedingungen zum freien Personen-, Kapital-, Waren- und Dienstleistungsverkehr zwischen den beteiligten Ländern.

1969 wurden auf dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs der EWG nahmen die ersten konkreten Integrationsprozesse ihren Anfang. Es wurden unter anderem Beschlüsse zur Schaffung einer Wirtschafts- und Währungsunion gefasst, mit deren Vollendung der luxemburgische Prämierminister Pierre Werner beauftragt wurde.

1970 wurde dieser legendäre „Werner-Plan“, welcher eine zehnjährige Phase bis zu vollständigen Schaffung einer Wirtschafts- und Währungsunion vorsah, der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Es wurden eine vollständige Koordination der Finanz-, Wirtschaftswachstum-, Steuer- und Währungspolitik sowie die Liberalisierung der Kapitalmärkte, sowie die Bildung eines wettbewerbsfreien Raums innerhalb der beteiligten Länder angeboten. Die Währungsintegration sollte durch die Schaffung eines Systems der Europäischen Zentralbank, eine gegenseitige Konvertierung der nationalen Währungen, Anpassung von Wechselkursen und als Endergebnis durch die Einführung einer gemeinsamen Währung erreicht werden.

Doch der „Werner-Plan“ scheiterte aufgrund von mehreren Faktoren. Zum einen entbrannte zwischen Wirtschaftsexperten ein Streit über das Vorgehen im Rahmen des Plans, zum anderen entstand dieses Vorhaben in der Zeit von äußerst ungünstigen internationalen Rahmenbedingungen. Die Rohölkrise in den 70er Jahren und die Aufhebung der Goldbindung des US-Dollars sorgten für große Turbulenzen auf den Finanzmärkten und verhinderte auch folglich die Eliminierung von Amplituden der Kursausschläge.

Das einzige wichtige Ergebnis des „Werner-Plans“ war die Unterzeichnung der Abkommen von Basel am 10. April 1972, welches die Schaffung einer sogenannten europäischen Währungsschlange oder einer „Schlange im Tunnel“, eines gemeinsames Interventionssystem zur Verhinderung der Amplituden von Kursausschlägen und Koordinierung von Währungsinterventionen vorsah. Es wurden feste Wechselkursen mit einer Kursbandbreite von ± 2,25 % vor allem gegenüber dem US-Dollar eingeführt. Auch Dänemark, Irland und Großbritannien nahmen an diesem System teil, vor allem weil sie 1973 der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft beigetreten sind. Doch die europäische Währungsschlange funktionierte nicht richtig, da sie nicht durch gemeinsame Währungspolitik der teilnehmenden Länder gestärkt wurde, was schließlich dazu führte, dass Irland, Frankreich, Italien und Großbritannien wieder austraten.

1979 wurde die Europäische Währungseinheit ECU (European Currency Unit) zum Zwecke der Sicherung von Stabilität der Währungskurse innerhalb der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft eingeführt. Der Wert von ECU wurde auf Basis eines virtuellen europäischen Währungskorbs mit festgelegten Anteilen (nach BIP-Anteilen an gemeinsamem BIP) der nationalen Währungen berechnet.

ECU galt seitdem als Richtwert für nationale Währungskurse und als Währungseinheit für Bankentransaktionen. Im Falle von größeren Kursschwankungen sollten die Zentralbanken der EG-Länder im Rahmen eines festgelegten Wechselkursmechanismus auf den Märkten intervenieren. Es wurde außerdem ein gemeinsamer Reservefond mit 20% der Goldreserven aller EWG-Länder errichtet.

Diese positiven Tendenzen wurden durch die Erweiterung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft im Jahr 1981 durch Griechenland und 1986 durch Spanien und Portugal unterstützt.

Durch die Unterzeichnung der Einheitliche Europäische Akte von 1986 wurden die Römischen Verträge hinsichtlich der Rahmenbedingung (konkrete Zeitfenster) zur Erreichung des angestrebten Ziels – einer gemeinsamen Europäischen Union – angepasst.

1989 legte der damalige Präsident der EG-Kommission Jacques Delors einen Drei-Stufen-Plan, welcher einen letzten Schritt zur Schaffung der Wirtschafts- und Währungsunion in Europa vorsah. Dabei sollten die letzten Hindernisse für freien transnationalen Kapitalverkehr ausgesetzt, ein neuer Zentralorgan der Währungsregulierung geschaffen, makroökonomische Kennzahlen angeglichen und als letzter Schritt die gemeinsame europäische Währung eingeführt werden.

Die 1992 unterzeichneten Maastricht-Verträge zur Gründung der Europäischen Union gingen auf den Plan von Delors zurück und legten die bereits erwähnten Konvergenzkriterien zum Beitritt in die Eurozone.

Die konkrete Umsetzung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion wurden in drei Schritten durchgeführt:

  1. Bis 31. Dezember 1993 einigten sich die EU-Mitgliedstaaten darüber, alle Schranken für Kapitalverkehr und Transaktionen endgültig aufzuheben.
  2. Vom 1. Januar 1994 bis 31. Dezember 1998 wurden die Politik der Erfüllung von Konvergenzkriterien der Maastricht-Verträge umgesetzt.
    1995 sind Finnland, Schweden und Österreich der EU beigetreten und im Dezember 1995 wurde in Madrid der Beschluss die Europäische Währungseinheit ECU durch die gemeinsame Währung, den Euro, verabschiedet.
  1. 1998 stellte die EU-Kommission ihren Bericht über die Erfüllung der Konvergenzkriterien durch einzelne Länder vor und empfahl die Zulassung des Eintritts von 11 Ländern (Deutschland, Belgien, Österreich, Frankreich, Finnland, Luxembourg, Niederlanden, Italien, Irland, Portugal und Spanien) in die Europäische Währungsunion.
    Vom 1.Januar 1999 bis 1. Januar 2002 wurden die Wechselkurse der nationalen Währungen endgültig fixiert, der bargeldlose Zahlungsverkehr und Wertpapiere auf Euro umgestellt. Die Europäische Zentralbank begann seine Arbeit als unabhängiges Organ. 2001 ist Griechenland der Europäischen Währungsunion beigetreten.

Vom 1.Januar 2002 bis 1.Juli 2002 fand die größte Bargeldumstellung in der Geschichte der Europäischen Union statt. Der Euro wurden in 12 Ländern mit 308 Millionen Einwohnern eingeführt und die nationalen Währungen nach und nach aus dem Verkehr gezogen.

2002 durften auch einige nicht EU-Ländern wie Andorra, Monaco, San Marino, Vatikanstadt mit ihren eigenen Münzen, sowie Montenegro und Kosovo ohne eigene Euromünzen den Euro einführen.

2007 wurde zum ersten Mal nach der EU-Erweiterung in Slowenien der Euro eingeführt. 2008 folgten Zypern und Malta, 2009 Slowakei und 2011 Estland, 2014 Lettland und als Letztes 2015 Litauen.

Monetäre Politik der EZB und krisenhafte Erscheinungen

Die gegenwärtige Währungsintegration innerhalb der Europäischen Union zeichnet sich vor allem durch ihr gigantisches Ausmaß aus. Seit dem Beginn der Umsetzung des Plans zur Einführung der gemeinsamen Währung im Jahr 1998 werden immer mehr Länder in die Integrationsprozesse einbezogen, wobei die Eurozone deutlich gewachsen ist. Im Jahr 2016 war der Euro in 19 von 28 EU-Ländern eingeführt. Doch die Erweiterung des Euroraums um weitere Länder, welche sich auf einer niedrigeren wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungsstufe befanden, führte zu einer noch deutlicheren Kluft zwischen armen und reichen EU-Mitgliedsstaaten, welche durch weltweite Wirtschafts- und Finanzkrisen noch weiter verstärkt wurde.

Die Anteile der großen Volkswirtschaften wie Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien am gemeinsamen BIP der Eurozone sind in den letzten Jahren weiter gestiegen, während die der kleinen Volkswirtschaften weiter zurückgingen.

Die Krisen offenbarten viele Probleme der gemeinsamen europäischen Währungs- und Finanzpolitik und zeigte deutliche Schwachstellen und Wiedersprüche in Regulierungsmechanismen der EZB auf.

Die erste Welle der Krise begann 2009-2010 als Griechenland eine Staatspleite drohte. Dies führte zu einer Erschütterung der Finanzmärkte und einem Rückgang des BIP um 4,3%. Es stellt sich außerdem heraus, dass Griechenland eigentlich der Eurozone nicht hätte beitreten dürfen, weil die Regierung falsche Zahlen an die EZB über das Hausdefizit übermittelte. Die Krise verschärfte sich während der zweiten Welle Mitte 2011 als weitere Länder wie Italien, Spanien, Portugal und sogar Frankreich hohe Haushaltsdefizite und Staatsverschuldung verzeichneten. Insgesamt beliefen sich die Schulden nach Einschätzung der Rankingagentur Standard & Poors auf 1 Billion EUR bis Ende 2012 und 4 Billion EUR bis Ende 2015. Dabei mussten vor allem Italien bis Ende 2015 fast 800 Milliarden EUR Schulden begleichen, bei Portugal, Irland, Griechenland und Spanien belief sich die Rechnung auf fast 500 Milliarden Euro.

Die EZB musste dabei alle vorhandenen Instrumente der monetären Regulierung einsetzen. In krisenbehafteten Ländern fand eine umfassende Unterstützung der Volkswirtschaften durch Kredite und neue Finanzierungsmechanismen in Kombination mit Regulierungsmaßnahmen der nationalen Haushalte im Rahmen der Antikrisenpolitik. Trotz der Tatsache, dass einzelnen Ländern rigorose Sparmaßnahmen nahezu aufgezwungen wurden, gelang es nicht negative Tendenzen wie nachlassendes Wachstum, deflationäre Risiken und hohe Staatsverschuldung zu bereinigen.

Viele europäische Experten befürchten weitere Verschärfung der krisenhaften Tendenzen in der Zukunft. Grund dafür ist eine weitere spürbare Verschlechterung der makroökonomischen Kennzahlen in vielen EU-Ländern, insbesondere in denen der Eurozone. In den letzten Jahren sind immer deutlichere Abweichungen von Maastrichter Konvergenzkriterien festzustellen. Die (verdeckte) Staatsverschuldung und der Haushaltsdefizit in den Staaten des Euroraums in Relation zum BIP nimmt immer gigantischere Ausmaße an. Selbst Mitte 2016 liegt die durchschnittliche Verschuldung in der Eurozone bei 91,7% (Im Vergleich: in der Schweiz – ca. 33%), wobei einige Länder wie Griechenland (176%), Italien (135%), Portugal(128%) und Belgien(109%) deutlich über dem Durchschnitt liegen.

In dieser schwierigen Situation wird der Euro immer mehr zu einer risikobehafteten und schwankenden Währung geworden. Das Risiko des Zerfalls der Eurozone durch Austritt von Volkswirtschaften mit einer schwachen wirtschaftlichen Konjunktur und geringer finanzieller Disziplin wächst ebenfalls spürbar.

Die Ursprünge der Krise liegen in den oben beschriebenen geschichtlichen Entwicklungen bis zur Einführung des Euro als gemeinsamer Währung und Aufnahme weiterer Länder mit deutlich unterschiedlicher Wirtschaftskraft. Schon bei der Gründung des Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion wurde einem wichtigen Thema zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt: Was passiert im Falle der Verschuldung eines oder mehrerer Mitgliedsländer? In welchem Ausmaß müssen die übrigen Länder die finanzielle Verantwortung übernehmen? Während mittlerweile 19 Länder eine gemeinsame europäische Währung haben und somit an einem gemeinsamen Wirtschaftssystem beteiligt sind, gibt es weiterhin keine klaren einheitlichen Regelungen hinsichtlich der gemeinsamen Schulden- und Finanzpolitik. So stehen die großen Volkswirtschaften wie Deutschland vor einem Dilemma: sie müssen einerseits eingreifen und den übrigen Mitgliedern der Eurozone unter die Arme greifen, andererseits werden solche Maßnahmen bei anderen Europäern immer unpopulärer. Es ist zunehmend von einem „deutschen Diktat“ die Rede. So erreichen die Diskussionen innerhalb der Eurozone immer mehr die emotionale Ebene, was der Sachlichkeit oft schadet. Die Probleme werden jedoch immer komplexer, weil der Schuldenberg einzelner Länder innerhalb der Eurozone immer gigantischer wird, was die Abhängigkeit dieser Länder von Transferleistungen noch größer macht. Mit dieser Abhängigkeit wächst auch die politische Instabilität innerhalb der Eurozone.

Der Euroskeptizismus

Schon in den Debatten, welche der Unterzeichnung der Akten von 1986 vorausgingen, sieht man die seit Anfängen der europäischen Integration andauernde Tradition des Euroskeptizismus. Es ist ein Prozess der kritischen Einstellung gegenüber den Prozessen der politischen und wirtschaftlichen Integration der europäischen Länder. Die Hauptkritikpunkte liegen in der Schwächung der Souveränität einzelner Länder und Bürokratisierung von wichtigen ausführenden Integrationsorganen, welche in der Praxis deutlich mehr Nachteile als Vorteile mit sich bringen. In der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts wurden diese Tendenzen auch auf politischer Ebene zusätzlich verstärkt. Eine Reihe von euroskeptischen Parteien kamen ans Tageslicht und fanden teils starke Zustimmung in der Bevölkerung. Ihre Wählerschaft und demzufolge ihr Einfluss erweiterte sich spürbar. In fast allen EU-Ländern konnte die Eurokritiker die Proteststimmen in Wahlstimmen ummünzen. Sie fordern unter anderem die Abschaffung des Euros. Auch die unpopulären Maßnahmen der harten und in vielen Fällen rücksichtslosen Sparpolitik innerhalb der EU sowie nahezu bedingungslose Unterstützung der schwächenden Mitgliedsstaaten führte zu krisenhaften Erscheinungen innerhalb des Verbunds und sicherte den Euroskeptikern weitere Wählerstimmen zu. So sitzt die eurokritische deutsche Partei AfD in 10 von 16 Landesparlamenten und liegt gegenwärtig in bundesweiten Umfragen bei 16%. Sie wäre somit die drittstärkste Kraft im deutschen Bundestag. In Großbritannien erreicht der Euroskeptizismus seinen Höhepunkt im Juni 2016, als 52% der Britten für den Austritt aus der Europäischen Union stimmten. Auch die sehr populäre französische Partei Front Nationale oder die österreichische Partei FPÖ sind weitere vehemente Vertreter der europaskeptischen und -kritischen Richtung. Die EU-Skeptiker feierten große Erfolge bei den Wahlen im Europaparlament im Jahr 2014 und gründeten unter der Führung der französischen Front National eine eigene Fraktion.

Insgesamt ist der Euroskeptizismus zu der wichtigsten Tendenz in der neusten Entwicklungsphase der europäischen Geschichte und zu einer seriösen Gefahr für die Einheit und Existenz der Europäischen Union geworden.

Wird die Europäische Union langfristig auf den Euro verzichten müssen?

Der amerikanische Wirtschaftsexperte und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz veröffentlichte im September 2016 ein Buch über die Zukunft des Euros. Dort fordert er von europäischen Regierungen eine Reihe von Maßnahmen, um das europäische Projekt zu retten.

Doch zunächst rechnet der Wirtschaftsexperte mit der Politik innerhalb der Eurozone ab und kommt zu einigen ernüchternden Urteilen. Seiner Meinung nach wurde das Ziel der Solidarität und Stabilität in Europa durch die Einführung der gemeinsamen Währung deutlich verfehlt. Viel mehr führte es zu großen Problemen und krisenhaften Erscheinungen in einzelnen europäischen Ländern. Die Grundidee einer Annäherung von verschiedenen europäischen Volkswirtschaften sollte durch einen freien Kapitalverkehr erreicht werden, führte jedoch mit der Zeit eher zu umgekehrten Erscheinungen und vergrößerte die Kluft zwischen armen und reichen Ländern innerhalb der EU immer mehr.

Stiglitz bemängelt in diesem Zusammenhang die fehlenden Regelungen zur gemeinsamer Haftung von Banken und Instituten innerhalb der Eurozone. Im Falle einer Krise innerhalb eines Landes kommt es deswegen oft zu Kapitalflucht, weil die Landesregierungen nicht immer in der Lage sind die Sicherheit der Einlagen zu garantieren.

Stiglitz ist der Auffassung, dass sich die Länder der Eurozone womöglich von ihrer Währung trennen müssen, um die Überlebensfähigkeit der Europäische Union zu sichern. Weiterhin glaubt er an die Notwendigkeit eines sofortigen Austritts von Deutschland aus der Eurozone, um einerseits die Konkurrenzfähigkeit der übrigen Länder durch Wertverfall des Euros zu steigern und andererseits das Problem der deutschen Exportüberschüsse durch Verteuerung der Exporte zu lösen.

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